MUSEUM FRIEDLAND 2.BA
Fertigstellung
Das Museum Friedland dokumentiert und erforscht die Geschichte und Gegenwart des Grenzdurchgangslagers Friedland, über das seit 1945 mehr als vier Millionen Menschen in die Bundesrepublik Deutschland kamen. In einem zweiten Bauabschnitt soll das bestehende Museum um ein Besucher:innen-, Medien- und Dokumentationszentrum erweitert werden. Der Neubau ist das Ergebnis eines offenen Architekturwettbewerbs, der im Jahr 2018 durchgeführt wurde. Der Entwurf wurde unter 25 Teilnehmern mit dem ersten Preis ausgezeichnet und anschließend beauftragt.
Der Wettbewerbsbeitrag beschreibt ein Gebäude, das die Besucher:innen vom ehemaligen Bahnhof zum Grenzdurchgangslager begleitet. Das 80 Meter lange und nur 12 Meter breite Gebäude reagiert einerseits auf das schmale Grundstück, andererseits steht es wie ein Bahnschuppen als Metapher für den Ankunftsort entlang der vorhandenen Gleisanlagen.
Wettbewerbsskizze: Baukörper
Um die Besucher:innen sowohl vom ehemaligen Bahnhof (ebenfalls im ersten Bauabschnitt vom Museum umgenutzt) als auch vom gegenüberliegenden Grenzdurchgangslager in ein zentral gelegenes Foyer zu leiten, führen beidseitig Kolonnaden zum Empfangstresen. Im Erdgeschoss präsentiert sich der zweigeschossige Bau einladend, transparent und kommunikativ. Hier befindet sich ein Marktplatz des kulturellen Austauschs. Es gibt einen Kartenverkauf, ein Café, eine Mediathek mit Workshopbereich sowie Seminarräume. Hinter dem Empfangstresen befinden sich auf zwei eingeschobenen Ebenen die Besuchergarderoben, die Museumsverwaltung und das Museumsdepot.
Der großzügige und introvertierte Ausstellungsbereich im Dachgeschoss gleicht einem Erinnerungsspeicher. Er gliedert sich in eine Dauerausstellung, eine Wechselausstellung und eine Medienausstellung. Die beiden Treppenhäuser mit Bypass ermöglichen sowohl einen linearen Ausstellungsrundgang als auch eine zentrale Ausstellungsfläche mit daran anschließenden separaten Ausstellungsbereichen und bieten somit eine hohe Flexibilität.
Das Gebäude besteht aus einer Stahlbetonkonstruktion im Sockelgeschoss, einer Holzrahmenkonstruktion im Erdgeschoss und einer Holztafelkonstruktion mit darüber liegenden Dachbindern im Dachgeschoss. Während das Sockelgeschoss als Massivbau ausgeführt wurde und mit Ziegeln verkleidet ist, wurden die oberen Holzgeschosse mit Ziegelschindeln verkleidet. In ihrer Konstruktion ähneln sie einem traditionellen niedersächsischen Dachstuhl. Neben dem geringen CO₂-Äquivalent, das durch die Holzbauweise erreicht wird, wurde bei der Gebäudetechnik versucht, das Treibhauspotenzial zu reduzieren. So wurde beispielsweise auf eine Klimaanlage verzichtet und die mechanische Lüftung ist nur mit einer adiabaten Kühlung ausgestattet. Der sommerliche Wärmeschutz wird durch den geringen Glasanteil im Ausstellungs-, Büro- und Archivbereich sowie durch außenliegende Vorhänge als Sonnenschutz im Erdgeschoss gewährleistet.














